Burgruine Campell



Die Ruine Campell, auch "Campi" genannt liegt auf einem Felsvorsprung über der Albula in der Gemeinde Sils im Domleschg.
Der Name „cam bel“ bedeutet schönes Feld.
Die Baugeschichte teilt sich in mehrere Bauphasen auf. Das heutige Erscheinungsbild ist geprägt durch die letzten Umbauten aus dem 16. und 17. Jahrhundert.
In der 1. Bauphase vom 13. Jahrhundert wurde der viergeschossige Wohnturm erbaut. Mit Zugang über einen Hocheingang auf der Ostseite im dritten Geschoss.
In der 2. Bauetappe (13. oder frühes 14. Jahrhundert) wurde das gesamte Plateau bis zur äussersten Kante überbaut und so die Anlage deutlich vergrössert. Sie erhielt einen abgetieften Graben mit Zugbrücke auf der westlichen Angriffsseite, einen Vorhof mit Wehrgang und Brüstungen mit Schwalbenschwanzzinnen sowie einen Bering mit Tor.
Im 15. Jahrhundert wurde in einer 3. Bauphase der Turm um zwei Geschosse erhöht. Im nördlichen Teil des Vorhofs entstand ein turmähnliches zweigeschossiges Gebäude.
In der 4. Bauphase (16. Jahrhundert) entwickelt sich die Anlage von der Burg zum Schloss. Anstelle des Vorhofes wurde ein dreigeschossiger Palast gebaut.
Der Zugang wurde weiter nach Süden verlegt und war über eine Rampe zugänglich. Das ehemalige Burgtor wurde zugemauert.

Anfangs des 17. Jahrhunderts wurde die Anlage durch einen Brand zerstört.

1635, in der 5. Bauphase wurde der Palas wieder aufgebaut. Die beiden unteren Geschosse des Turmes wurden als Zugang zum Palas ausgebaut und der Hocheingang ins 2. Geschoss verlegt.
Der Osttrakt blieb Ruine und wurde als Stall genutzt.


Geschichtliches über Burgruine Campell

Es fehlen schriftliche Angaben über die Erbauer, doch dürften es sich um die Herren von Campell gehandelt haben.
1289 nennt ein Einkünfteverzeichnis des Bistums Chur einen Egeno de Campell, welcher der Kirche von Hohenrätien jährlich fünfzehn Schilling zu entrichten hatte.
Die Ritter von Campell sind wohl im 14. Jahrhundert ausgestorben.
Es gibt keinen Beweis, für die Annahme, die Familie sei in einer Fehde mit den Freiherren von Rhäzüns vertrieben worden. Auch ist es nur eine Vermutung, dass die Engadiner Familie Campell direkt von der adligen Ritterfamilie abstammen.
Im Besitzverzeichnis des Bistums Chur weist eine Notiz von 1389 darauf hin, dass Bischof Hartmann an Hans und Gottfried von Ehrenfels Güter vergeben haben, die zuvor Lehen der Herren von Campell gewesen seien. Damals war aber die Burg selbst wohl noch in bischöflicher Hand.
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, wechselte das Schloss Campell mehrmals den Besitzer.
Um 1700 befand sich die Burg noch in gutem Zustand, war aber bereits nicht mehr bewohnt.
In den nachfolgenden Jahrzehnten setzte dann der Langsame Zerfall ein. Um 1900 wurde die Albulalinie der Rhätischen Bahn durch den äusseren Burggraben gebaut.
Die Engadiner Familie Campell konnte 1932 die Burg erwerben und vermachte sie 1987 der Stiftung Campell / Campi.
Seither setzt sich diese für die Erforschung und Erhaltung der sehenswerten Anlage ein. Die Ruine wurde von 1991 bis 1998 baugeschichtlich untersucht und das Mauerwerk wurde konserviert.
Die Anlage ist seit 2001 wieder öffentlich zugänglich und steht unter dem Schutz der schweizerischen Eidgenossenschaft.